Der 30-jährige Krieg — Der Beginn

Der 30-jährige Krieg — Der Beginn

Der Prager Fen­ster­sturz — Mehr als ein Rauss­chmiss

Am 23.05.1618 ereignete sich im böh­mis­chen Prag, genauer, in der Hofkan­zlei der Prager Burg, ein fol­gen­re­ich­er Rauss­chmiss der anwe­senden Vertreter der Hab­s­burg­er Statthal­ter.

Zu diesem Zeit­punkt ahnte sicher­lich nie­mand, was sich in Folge des stat­tfind­en­den Schauprozess­es und des unmit­tel­baren Vol­lzugs des Urteils in den kom­menden Jahren, ja Jahrzehn­ten in Deutsch­land und Europa ereignen sollte, welch­es Leid über den Kon­ti­nent kom­men sollte. Und noch viel weniger war vorauszuse­hen, dass die Men­schen in Europa so wenig aus den Ereignis­sen des Krieges, der bere­its kurz nach sein­er Beendi­gung als der 30-jährige Krieg bekan­nt, und für immer in das Gedächt­nis Europas einge­bran­nt sein sollte, für die Zukun­ft und den Umgang miteinan­der ler­nen wür­den.

Um was ging es? Was war der Grund?

Nach der Ref­or­ma­tion im Jahre 1517 und den sich daraus ergeben­den macht­poli­tis­chen und religiösen Kon­flik­ten in Deutsch­land, teilte sich das Land mehr und mehr in religiöse Lager. Auch der Augs­burg­er Reli­gions­frieden von 1555 kon­nten die Gegen­sätze nicht sehr lange verdeck­en. Er wurde zwar von den beteiligten Fürsten respek­tiert, jedoch bekam der Kon­flikt gegen Ende des Jahrhun­derts durch die näch­ste Gen­er­a­tion von Herrsch­ern eine neue Dynamik. Diese Fürsten legten die Kon­fes­sion eng, sehr eng aus und waren außer­dem bere­it den Kon­flikt auch mil­itärisch auszu­tra­gen. Und wie immer ging es nur vorder­gründig um den Glauben, es ging vor allen Din­gen um Macht, um Ein­fluss.

So ver­wun­dert es nicht, dass auch in Böh­men zu Ende des 16. Jahrhun­derts zwei religiöse Lager bestanden. 90 % der Bevölkerung waren protes­tantisch, allerd­ings ver­fügten sie nicht über die Macht. Diese liegt in den Hän­den der katholis­chen Seite, deren höch­ster Repräsen­tant Kaiser Rudolf II, der Sohn von Kaiser Max­i­m­il­ian II. und Maria von Spanien im Jahr 1609 die Reli­gions­frei­heit für sein Reich erneut ver­briefte und dadurch für Ruhe sorgte.

Machtkampf in Böh­men

Lei­der war Rudolf ein schwach­er Kaiser, der sich mit seinem macht­be­wußten und ziel­stre­bi­gen Brud­er, Erzher­zog Matthias auseinan­der­set­zen musste. Als Rudolf im Jahr 1611 seinen Titel als König von Böh­men an seinen Brud­er Matthias ver­lor, war sein Ein­fluss als Kaiser des heili­gen, römis­chen Reich­es Deutsch­er Nation eben­falls zu Staub zer­fall­en und so nahm das Schick­sal seinen Lauf. Matthias wurde im am 23.Mai 1611 zum König von Böh­men gewählt, er forcierte die Gegen­re­for­ma­tion und so wur­den die Kon­flik­te wieder akut. Da jedoch sowohl Matthias, wie auch sein Brud­er Rudolf keine eige­nen legit­i­men Nach­fol­ger hat­te, über­nahm im Jahr Im Jahr 1617 Erzher­zog Fer­di­nand II. die Königskro­ne von Böh­men und mit diesem kom­pro­miss­losen und kriegerischen Herrsch­er, der gle­ich nach Antritt sein­er Regentschaft die Rekatholisierung vorantrieb, eskalierte der Stre­it mit der über­wiegend protes­tantis­chen Bevölkerung Böh­mens und der sie vertrete­nen, protes­tantis­chen Adeli­gen.

Der böh­mis­che Stän­deauf­s­tand eskalierte und trotz Ver­bots trafen sich die böh­mis­chen Stände im April zu ein­er Ver­samm­lung in Prag. Während dieser Ver­samm­lung, die zuerst fried­voll ver­lief, ergaben sich Tumulte, die schließlich am 23.05.1618 in einem Zug auf die Prager Burg.

Dort trafen sie auf die katholis­chen Statthal­ter. Nach einem lan­gen Dis­put hiel­ten die Protes­tanten ein Standgericht ab, verurteil­ten die Statthal­ter der Macht und war­fen sie kurz­er­hand aus dem Fen­ster. Die der­art an die Luft geset­zten Vertreter des Königs von Böh­men ver­let­zten sich nur wenig, obwohl der Sturz in den Burggraben 17 m betra­gen hat­te. Ob hier­für eine Dämp­fung des Auf­pralls durch einen Mis­thaufen ver­ant­wortlich war, oder nicht sei dahingestellt. Jeden­falls ver­let­zten sich die drei mal­trätierten Vertreter nicht beson­ders stark und kamen im Wesentlichen mit dem Schreck­en davon.

Die protes­tantis­chen Auf­ständis­chen, die mit der Defen­es­tra­tion dem Kaiser den Fehde­hand­schuh auf drastis­che Weise zuge­wor­fen hat­ten, sich dieser Tat­sache natür­lich auch bewusst waren, wählten bere­its am 24. Mai ein Direk­to­ri­um, ent­machteten die herrschen­den Adli­gen und began­nen, in Vor­bere­itung und Erwartung der kaiser­lichen Antwort, der unverzüglich mit der Auf­stel­lung ein­er Armee.

Der Krieg

Der Kaiser erkan­nte den Fen­ster­sturz als das, was er war, ein Angriff auf seine eigene Posi­tion. Der Fen­ster­sturz kam ein­er Kriegserk­lärung gle­ich, und der Krieg ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Und auch wenn sich die genauen Opfer­zahlen nicht mehr ermit­teln lassen, so ist davon auszuge­hen, ca. 30 % der Bevölkerung, immer­hin mehr als 6.000.000 Men­schen den Gräueltat­en des Krieges zum Opfer fie­len. Und erst 30 Jahre später sollte es gelin­gen im west­fälis­chen Frieden in den Städten Mün­ster und Osnabrück eine Nachkrieg­sor­d­nung zu schaf­fen, die bis heute als Beispiel für den Kom­pro­miss zu ein­er Frieden­sor­d­nung von gle­ich­berechtigten Staat­en gilt.

Wie sehr sich Europa in Folge von 30 Jahren Krieg verän­derte zeigen die fol­gen­den Karten

Map of the Holy Roman Empire (1618) - DE

Karte des Heili­gen Römis­chen Reich­es im Jahr 1618 am Vor­abend des Dreißigjähri­gen Krieges

HRR 1648

Das heilige römis­che Reich deutsch­er Nation nach dem Ende des 30-jähri­gen Krieges 1648.

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